WIR WÜNSCHEN ALLEN MUSLIMEN EIN GESEGNETES OPFER-FEST

Am 20. Juli werden MuslimInnen auf der ganzen Welt das Kurban-Fest begehen. Kurban, was mit dem Wort Hingabe übersetzt werden kann, ist ein fester Bestandteil der muslimischen Pilgerfahrt und beginnt nach dem zentralen Tag in Arafat[1]. An diesem Tag stehen die Pilger am Berg Arafat und beten vom Mittag bis zum Abend und besinnen sich vollständig auf Gott.

Im Kern dieses Festes steht die Hingabe und die Annäherung des Menschen zu Gott, sowie das Vertrauen auf seine Barmherzigkeit. Das Kurban-Fest ruft alle MuslimInnen zur Hilfsbereitschaft auf und spricht Werten wie Freundschaft und Versöhnung eine wichtige Rolle zu.

Im Zentrum dieses Festes steht der ehrenwerte Prophet Abraham (f.s.m.)[2]. Der gemeinsame Stammvater der Juden, Christen und Muslime zählt im Islam zu den wichtigsten Propheten und wird in 25 Suren des Korans insgesamt 69-mal namentlich erwähnt. Die Sure 14 ist nach ihm benannt. Ein Ritual des Festes stammt aus einer Erzählung im Koran, die auch aus dem Alten Testament (Gen 22,1-19) bekannt ist. Nach muslimischer Überlieferung ist sie wie folgt:

Eines Nachts träumte der ehrenwerte Prophet Abraham, dass Gott von ihm verlangte, seinen geliebten Sohn zu opfern. Mit der Last des Traumes berichtete er seinem Sohn von dem Traum. Der Sohn[3] verstand, dass es sich um eine Geduldsprobe handelte und sagte, „Mein Vater, handle so, wie dir befohlen wird; du wirst mich, so Gott will, geduldig finden.“

Das grenzenlose Vertrauen der beiden führte schließlich dazu, dass sie sich auf dem Weg machten. Im letzten Moment stoppte Gott das Vorgehen und gestattete ihm stattdessen, einen Widder zu opfern.

Muslime ziehen aus dem Ereignis die Lehre, dass es auch in schwierigen Phasen des Lebens wichtig ist, Gott zu Vertrauen und den Glauben nie zu verlieren. Einige muslimische Gelehrte sind auch der Meinung, dass es hier um eine persönliche Gottesbeziehung geht, in der Abraham die Möglichkeit erhält, seine Liebe zu Gott zu bestätigen. Historisch betrachtet kann gesagt werden, dass die Praxis der Menschenopfer, die in vielen Kulturen noch üblich war, ein für alle Mal verboten wurde.

„Weder ihr Fleisch noch ihr Blut erreicht Allah, sondern es erreicht ihn allein die Takwâ, die ihr ihm entgegenbringt.“ [22: 37]

Es gehört zur prophetischen Tradition, ein Teil des Fleisches an Bedürftige abzugeben.[4] Es ist ein Akt der Fürsorge und Nächstenliebe gegenüber anderen. Die Kurban-Spenden werden heutzutage oft über internationale Hilfsorganisationen an Bedürftige auf der ganzen Welt gespendet.

Das Kurban-Fest ermöglicht ebenso über die Person des ehrenwerten Abraham als Stammvater der monotheistischen Religionen, in den Austausch zu treten und somit den interreligiösen Dialog zu fördern.

In diesen Tagen steht unsere Gesellschaft auch vor einer Geduldsprobe. Die andauernden Überschwemmungen führen zu Verlusten. Mögen wir aus der Geschichte Abrahams Kraft schöpfen. Möge Gott uns allen die Geduld und Standhaftigkeit Abrahams schenken.

Wir wünschen allen Muslim:innen ein gesegnetes Kurban-Fest und eine besinnliche Zeit im Kreis von Familie und Freund:innen.


Kurban Bayramınız mübarek olsun,

eid mubarak,

cejna qurbanê pîroz be!

[1] Der Höhepunkt der Hadsch, der Wallfahrt nach Mekka.

[2] Friede sei mit Ihm

[3] Es ist nach dem Koran nicht eindeutig welcher Sohn gemeint ist, die meisten muslimischen Gelehrten gehen von Ismail aus.

[4] (Ebû Dâvûd, Dahâyâ, 10)

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